Wie schilderten römische Historiker die Hunnen?

"Sie sind abstoßend, häßlich und widerwärtig wie zweibeinige wilde Tiere", schrieb gegen Ende des 4. Jahrhunderts der römische Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus. "Obwohl sie Menschengestalt haben, sind sie durch ihre Lebensweise so abgehärtet, dass sie kein Feuer und keine gewürzten Speisen benötigen. Sie leben von den Wurzeln wilder Kräuter und dem halbrohen Fleisch, dass sie zwischen Schenkel und Pferderücken legen und so kurz anwärmen." Und in einem Bericht des Bischofs von Clermont, Sidonius Apollinaris (433-479) heisst es: "Sogar die Gesichter ihrer Neugeborenen sind grauenhaft. Der Nase Doppelröhre darf nicht über die Gesichtsfläche hinauswachsen; die zarten Nasenlöcher werden mit einer Binde umwickelt, damit sie unter das Helmvisier passen."

Diese und zahllose andere Schreckensmeldungen verbreiteten sich in windeseile durch ganz Europa, als die Hunnen im Jahr 375 aus Zentralasien kommend zum Angriff auf das Abendland antraten. Der schreckliche Ruf dieser "Geißeln Gottes" hielt sich hartnäckig bis in unsere Zeit hinein. Als der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm ||., seine Marinesoldaten 1901 zur Niederschlagung des Boxeraufstandes* nach China schickte verabschiedete er sich mit der Aufforderung, sie sollten sich bei ihrem Kampf "wie vor 1000 Jahren die Hunnen unter ihrem König Attila benehmen", und noch im 2. Weltkrieg sprachen die britischen Soldaten von ihrem deutschen Gegnern als "the huns". Dabei stimmte in der kaiserlichen Rede weder das Datum des Hunnensturms auf Europa noch die angebliche beipiellose Grausamkeit des Hunnenkönigs Attila (oder "Etzel", wie er in den deutschen Heidensagen heißt). Seine Soldaten, das weiß die heutige Geschichtsschreibung, haben nichts getan was die Soldaten anderer Völker damals nicht auch getan hätten.

* Der fremdenfeindliche chinesische Geheimbund der "Boxer" griff 1900 in Peking die Gesandtschaften der fremden Mächte an und veranlasste diese zum gemeinsamen militärischen Angreifen.

 

 

Wo war die Urheimat der Hunnen?

Über Ursprung und Herkunft der Hunnen ist wenig bekannt. Wahrscheinlich sind sie identisch mit jenem Volk "Hungno" oder "Hsiung-Nu", das erstmals gegen Ende des 3. vorchristlichen Jahrhunderts in chinesischen Schriften erwähnt wird. Die Hungnos waren Reiter und Viehzüchter, die im östlichen Zentralasien nomadisch herumzogen. Nachdem sie jahrhunderte lang immer wieder das chinesische Reich überfallen und weite Landstriche besetzt oder verwüstet hatten, errichteten die Angegriffenen um 217 v. Chr. die Große Mauer, die später ausgebaut wurde und sich bis heute erhalten hat. Unter ihrem König Mao-Tun (209-174 v. Chr.) gründeten die Hunnen schließlich in der heutigen Mongolei ein eigenes Reich, das jedoch nicht lange Bestand hatte: Die Chinesen griffen es an und besetzten einen großen Teil. Dieser Krieg begann um 140 v. Chr. und dauerte fast 60 Jahre. Er endete mit einer Katastrophe für die Hunnen: Nach einer furchtbaren Hungersnot gab sich der größere Teil des Volkes geschlagen und lebte einige Zeit unter chinesischer Oberhoheit. Kaum allerdings hatten sich die Hunnen von der Niederlage

von der chinesischen Tang-Dynastie endgültig besiegt wurde.

Der andere, kleinere Teil, der sich mit der Unterwerfung nicht abfinden wollte, verließ im letzten Jahrhundert vor der Zeitwende seine mongolische Heimat und wandte sich nach Westen. Im Jahr 36 v. Chr. stießen diese Hunnen am Aralsee auf die dort ansässigen Alanen, ein iranisches Reitervolk mit indogermanischer Sprache. Die Alanen waren vorzügliche Pferdezüchter, die auf ihren schnellen Tieren Raubzüge bis nach Armenien hinein unternahmen. Nach der Besetzung ihrer Weidegebiete durch die Hunnen blieb ein Teil der Alanen unter hunnischer Herrschaft am Aralsee, der andere Teil wich nach Westen aus und ließ sich in der (heute ungarischen) Pußta nieder. Dort verbündeten sie sich mit den Wandalen, mit denen Teile von ihnen später nach Spanien und Afrika gelangten. Aber auch die unter hunnischer Herrschaft verbliebenen Alanen blieben nicht ruhig. Sie erhoben sich im Jahr 270 gegen ihre Herren, der Aufstand endete jedoch wiederum mit der - diesmal vollständigen - Vernichtung ihres Volkes.

 

Womit begann die Völkerwanderung?

Für die Hunnen war dieser Aufstand offenbar ein Signal, ihre Zelte wiederum abzubrechen und weiter nach Westen zu ziehen. Dabei stießen sie 375 auf die zwischen Donau und Dnjepa wohnenden germanischen Ostgoten und unterwarfen sich. Dieses Jahr, in dem zum ersten Mal Hunnen und Germanen zusammenstießen, gilt seither als Beginn der Völkerwanderung.

Über den Kampf der Hunnen gegen die Ostgoten schreibt der griechische Papst und Geschichtsschreiber Zosimos ( gest. 418 ) : "Die Hunnen überschütteten die Ostgoten mit einer wahren Wolke von Pfeilen und richteten ein ungeheures Blutbad an."

Die hunnischen Bögen bestanden aus verschiedenen sorgfältig ausgesuchten Hölzern, Mittelteil und Enden waren mit Knochen verstärkt. Mit diesen Bögen konnte ein kräftiger Mann einige hundert Meter weit schießen.

Diese Kampfweise hatten die asiatischen Eindringlinge schon drei Jahrhunderte zuvor unter König Mao-Tun gelernt. Dieser hatte sich besondere, sogenannte "singende Pfeile" anfertigen lassen. Das waren Pfeile mit Federn am Schaft. Seine berittenen Bogenschützen mussten alle auf denjenigen Feind schießen, nach dem er seinen Pfeil abschoß. Bei dem Exerzierschießen in Friedenszeiten stellte der König nicht nur sein Lieblingspferd, sondern auch seine Frau als Zielscheibe auf. Wer dem Befehl, auf Pferd oder Frau zu schießen, nicht blindlinks gehorchte, wurde vom König eigenhändig enthauptet.

Nach dem Sieg über die Ostgoten zogen die Hunnen abermals weiter nach Westen und gelangten schließlich in das Flachland zwischen Ostalpen, Donau und Save, das als Provinz Pannonien zum Römischen Reich gehörte. Damit begann der Angriff der Hunnen auf Rom.

 

Wann wurde das Römische Reich aufgeteilt?

Es war allerdings nicht mehr das geeinigte starke römische Reich, das sie nun herausforderten. Schon 286 hatte der römische Kaiser Diokletian das Imperium in einen westlichen und einen östlichen Teil getrennt, um das Reich im Frieden besser verwalten und im Krieg besser verteidigen zu können. Zum weströmischen Teil gehörten ganz Westeuropa, Italien, das ehemalige Jugoslawien und der Westteil der afrikanischen Mittelmeerküste. Zu Ostrom gehörten die Balkanhalbinseln, Kleinasien und der östliche Teil des afrikanischen Mittelmeers. Hauptstadt des Westteils war zunächst Rom, der Ostteil des Imperiums wurde von Byzans aus, dem heutigen Istanbul (griech. cis ten polin = in die Stadt), regiert; 330 wurde Byzans von Kaiser Konstantin dem Großen als "Konstantinopel" zur Hauptstadt des Römischen Reiches erhoben. Als 395 Kaiser Theodosius starb, teilten seine Söhne Honorius und Arkardios das Reich auf; Honorius übernahm das Weströmische, Arkadios das Oströmische Reich. Dabei hielten sie sich genau an die Grenzen, die Diokletian über hundert Jahre zuvor eingeführt hatte. Aber aus den Verwaltungsgrenzen waren nun politische Grenzen geworden, die Grenzen zwischen zwei verschiedenen Staaten.

Den Hunnen war diese Aufteilung nur recht. 430 griffen sie von Pannonien aus das schwache Oströmische Reich an. Die Hunnen waren zu jener Zeit - wie schon von Anfang an - kein einheitliches Volk. Auf ihren weiten nomadischen Wanderungen entstanden entstanden immer neue Gruppen, denen sich Teile oder die Gesamtheit der unterworfenen Volksstämme mehr oder minder eingliederten. Sie hatten zu jener Zeit, also um 430, drei Könige: Ruas (oder Rugila) und seine Brüder Mündiuck und Oktar. Vergeben bat die oströmische Kaiserin Eudokia den Ruas, der so etwas wie ein Oberkönig war, um Gnade. Erst ein Unwetter, bei dem Ruas von einem Blitz tödlich getroffen wurde, trieb die heidnischen Hunnen in die Flucht.

 

Wie wurde Attila Alleinherrscher der Hunnen?

Als auch wenig später Mündiuck und Oktar starben, bestiegen Mündiucks Söhne, Attila (gotisch: Väterchen) und Bleda den hunnischen Thron. Sie erzwangen von Ostrom die Auslieferung aller abtrünnigen Hunnen, die zu Ruas Zeiten nach Ostrom übergelaufen waren. Zwei Mitglieder der Königsfamilie namens Mama und Atakam, die sich unter den Ausgelieferten befanden, lies Attila als Verräter kreuzigen - und schaffte sich damit zwei Mitbewerber um den Thron vom Hals. 445 lies er auch seinen Bruder Bleda ermorden; nun war er Alleinherrscher der Hunnen. Damit begann für diese eine neue Zeit. Attila war zwar nicht weniger grausam und skrupellos als alle anderen Herrscher seiner Zeit, aber er war klüger. (Er konnte zum Beispiel lesen und schreiben). Anstatt den Feldzug gegen Ostrom fortzusetzen, verlegte er sich zunächst auf Verhandlungen. Neben einer Tributzahlung von jährlich 700 Pfund Gold musste Byzanz seine Märkte nun auch den hunnischen Händlern öffnen, die einzige Möglichkeit für Attila, das erbeutete oder erpresste Gold in Waren umzutauschen.

Dann versuchte er sein normadisches Volk sesshaft zu machen und zu einigen. Zunächst löste er die alte Stammesordnung auf und unterstellte alle Stämme einzig seiner Befehlsgewalt. Anstelle der alten Stammesfürsten setzte er "Würdenträger" ein, auf deren unbedingte Treue er stets rechnen konnte, weil er einen großen Teil seiner Beute und Tributzahlungen an sie verteilte. Die Würdenträger wurden als Heerführer, Hofbeamte oder Gesandtge an fremden Höfen eingesetzt. Sie waren Führer der Leibwache sowie Statthalter und hatten Ehrenplätze in Attilas Königshalle. Wo der Palast des Attila erbaut worden ist, weiß man nicht genau, er muss irgendwo an der Theiß gestanden haben.

 

Wie lebte man am Königshof des Attila?

Man weiß aber, wie es an diesem Königshof aussah und wie es dort zuging. Der Grieche Prikos kam 449 als Begleiter eines römischen Gesandten an Attilas Hof und schrieb seine Eindrücke in seiner achtbändigen "Byzantinischen Geschichte" nieder. Danach lag Attilas Palast auf einem Hügel und war von Palisaden umgeben. Alle Bauten waren aus Holz. Auch jede der vielen Frauen des Attila hatte ein eigenes Holzhaus, alle waren mit bunten Teppichen geschmückt. Bei Empfängen oder anderen Staatsgeschäften saß Attila zwischen seinen Verwandten und anderen Würdenträgern auf einer Bank vor einem Alkoven, der von einem Vorhang abgeschlossen war. Zu solchen feierlichen Anlässen wurden Speisen und Getränke aus kostbaren, meist goldenen Gefäßen gereicht, auch die Kleider des Hofstaates waren reich mit silbernen und goldenen Stickereien und Edelsteinen verziert. Attila liebte das große Gepränge, aber nicht für sich selbst. Seine Kleidung und sein Geschirr waren einfach und schmucklos.

Trotz dieses aufwendigen Hoflebens galten Attila und seine Hunnen in Ost- und Westrom immer noch als Barbaren. Daran war nicht zuletzt ihre fremde, für Europäer unverständliche Religion schuld. Während im gesamten römischen Reich das Christentum schon 381 von Kaiser Theodosius zur Staatsreligion erhoben worden war, hingen die Hunnen immer noch unverändert stark ihrem heidnischen Glauben an, den wir heute als "schamanisch" bezeichnen. Der Schamane war der Geisterbeschwörer, der eine den europäischen Priestern vergleichbare Stellung innehatte. Er konnte sich durch Rauschmittel oder Tanz in Ekstase versetzen und dann die Verbindung zu Dämonen oder den Seelen der Verstorbenen herstellen. Andererseits vermochte er auch, die Seelen gerade Verstorbener ins Jenseits zu geleiten.

 

Welchen Glauben hatten die Hunnen?

Im Mittelpunkt dieses hunnischen Glaubens stand das Tier- nur allzu verständlich bei einem Jäger- und Hirtenvolk, dessen Wohl und Wehe tatsächlich von Jagdtieren wie Bär, Elch, Hirsch usw., aber auch von Transport- und Reittieren (Pferd) abhing. Die Grenzen zwischen Menschen, Tieren und Göttern waren verwischt. So leitete noch 700 Jahre später Tschingis Khan, der schamanische Begründer des mongolischen Weltreiches, seine Herkunft von einem sagenhaften grauen Wolf ab.

Auch Attila war Schamanist. Obwohl sich zahlreiche Hunnen, die inzwischen mit dem Christentum bekannt geworden waren, hatten taufen lassen, blieb Attila seinem Glauben treu. Übertritte zum Christentum ließ er mit härtesten Strafen sühnen. Und er plante und unternahm nichts, ohne vorher das Orakel zu befragen, das aus den Eingeweiden von Opfertieren und dem Geäder der vom Fleisch gelösten Knochen die Zukunft weissagte.

Bei seinen Verhandlungen mit den Römern nutzte Attila geschickt die Rivalität zwischen Ost- und Westrom aus. Denn beide Reichshälften hofften, mit Hilfe der Hunnen den jeweils anderen römischen Herrscher schlagen und das Imperium wieder zu einem mächtigen Reich vereinen zu können. Ost- und Westrom sicherten den Hunnen zu, sich mit keinem "Barbaren"-Stamm (gemeint waren germanische Stämme) zu verbünden, der gegen die Hunnen Krieg führte. Weiter verpflichteten sie sich zu hohen Tributzahlungen an Attila, er versprach als Belohnung, werder Ost- noch West-Rom anzugreifen.

 

Warum zog Attila mit seinem Heer nach Westen?

Diese "Freundschaft", die wohl von allen drei Parteien nur aus Vernunftgründen gepflegt wurde, dauerte knapp sieben Jahre. Dann zog Attila mit seinem Heer abermals gen Westen. Anlass dazu waren drei Ereignisse.

  1. 446 hatte Honoria, die Schwester des weströmischen Kaisers Valentinian III (425-455), heimlich dem Attila angeboten, seine Frau zu werden. Attila war einverstanden, verlangte aber als Hochzeitsgeschenk das halbe Reich ihres Bruders. Diese Forderung lehnte Valentinian ab, und Attila, der wahrscheinlich selbst Kaiser von Rom werden wollte, war erzürnt.
  2. Darauf betrieb West-Rom eine zunehmend hunnenfeindliche Politik.
  3. Ost-Rom widersetzte sich ab 447 den immer höher werdenden Tributforderungen des Hunnenkönigs.

Attila hatte inzwischen auf weiteren Feldzügen den Rhein erreicht und sich mehrere germanische Stämme unterworfen. Sein Reich erstreckte sich nun vom kaspischen Meer bis nach Gallien. Aber das reichte ihm offenbar nicht - er wollte Herrscher über ganz Europa sein. 451 zog er mit einem gewaltigen Heer, das noch durch germanische Vasallenstämme verstärkt war, nach Westen. Er überrannte Metz, plünderte die Stadt und zog weiter bis nach Orleans, das er ebenfalls besetzte.

In aller Eile schickte Westrom seinen Feldherrn Aetius nach. Gallien, seine Legionen wurden von Westgoten, Burgundern und Franken verstärkt. Die Burgunder, ein urspründlich aus Skandinavien eingewanderter ostgermanischer Stamm, waren unter König Gunther schon 433 von den Hunnen besiegt und 445 von Attila aus der Gegend um Worms vertrieben worden. Sie hatten sich zwischen Genfer See und Lyon angesiedelt und waren nun froh, an den Hunnen Rache nehmen zu können.

 

Wie kämpften die Hunnen?

Die Hunnen wandten die Kampf gegen West-Rom eine für diese völlig neue Kampftechnik an: Sie ergriffen - scheinbar geschlagen - mitten im Gefecht die Flucht, drehten aber nach kurzem Ritt um und begannen an einer anderen völlig unerwarteten Stelle den Angriff von Neuem. Dabei kam ihnen eine Erfindung zu Pass, deren Bedeutung die Römer und ihre Hilfstruppen noch nicht begriffen hatten; der Steigbügel. Mit seiner Hilfe konnten sie sich im Sattel aufrichten, blitzschnelle Wendungen vollziehen und tief in die Reihen des Gegners eindringen. Attilas Hunnen führten als Hauptwaffe den Bogen, der aus mehreren Teilen bestand und durch seine Konstruktion den einfachen europäischen Bogen in Reichweite (einige hundert Meter) und Treffsicherheit (dreiflüglige Pfeilspitzen) weit überlegen war.

Trotz überlegener Taktik konnte Attila das besetzte Orleans nicht halten. Er räumte die Stadt, drehte ab und wurde 451 von Aetius auf den katalanischen Feldern, in der Gegend des heutigen Châlons-sur-Marne, zum Entscheidungskampf gestellt.

Was sich in vielen Geschichtsbüchern als eine Schlacht der Römer gegen die Hunnen liest, war jedoch in Wahrheit etwas anderes. Franken vom Niederrhein kämpften gegen mittelrheinische Franken, Gepiden kämpften gegen Burgunder, Ostgoten kämpften gegen Westgoten.

 

Wie endete die Herrschaft der Hunnen?

Der Kampf dauerte bis in die Nacht hinein - dann war Attila geschlagen. So schlimm jedoch, wie die Historiker noch vor wenigen Jahrzehnten glaubten, kann seine Niederlage nicht gewesen sein. Schon ein Jahr später, also 452 zog das hunnische Herr wieder in den Krieg. Attila fiel in Italien ein und eroberte die Stadt Aquileja. Hungersnöte und Seuchen, Folge von zunehmenden Nachschubschwierigkeiten, zwangen ihn jedoch, ein Friedensangebot Westroms verbunden mit hohen Tributzahlungen der Römer anzunehmen. In Eilmärschen kehrte er in seine Hauptstadt an die Theiß zurück, die inzwischen von dem oströmischen Kaiser Marcianus bedroht wurde. Zu dem geplanten Rachefeldzug gegen Marcianus kam es nicht mehr. In der Hochzeitsnacht mit der letzten seiner zahllosen Ehefrauen, der Germanin Hildico (Hildchen) erstickte er an einem Blutsturz (453). Einer der größten Soldaten und Feldherren der Geschichte starb also nicht auf dem Schlachtfeld, sondern friedlich im Hochzeitsbett. Wie es einem so reichen Herrscher zukommt, wurde Attila mit großem Prunk begraben. Sein Grab und die unermesslich wertvollen Grabbeigaben wurden bisher nicht gefunden.

Das Hunnenreich überdauerte seinen größten König nur ein knappes Jahrzehnt. Es zerviel durch die Zwietracht seiner Söhne. Ebenso plötzlich wie die Hunnen in die Geschichte Europas einbrachen, verschwanden sie auch wieder - aber nicht spurlos. Man kann die Völkerwanderung im vierten und fünften Jahrhundert mit einer Anzahl von Dominosteinen vergleichen, die jeweils, wenn sie umfallen, auch ihren Nachbarn zum Stürzen bringen. Genauso war es mit den vielen germanischen Stämmen, die, von Osten her bedrängt, nach Westen auswichen und dabei den westlichen Nachbarn ebenfalls veranlassten, seine Heimat zu verlassen.

Die Hunnen waren in dieser Dominoreihe der erste Stein.